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Für Immer



Ich legte meine Hand auf sein Herz, auf sein Totes Herz, es war kalt, der Schlag von seinem Herzen lag im Schlaf. Er lag im Schlaf. Seine Haut, sie war weiß, so sehr weiß, wie ich es nicht an ihm kannte. Ich stand neben ihm, direkt neben ihm, und schaute ihn an, ich wollte in seine eiskalten blauen Augen schauen, die jedoch auch wärme ausstrahlten während man hinein sah, ich wollte es, aber er regte sich nicht, er öffnete nicht seine Augen, denn er kann es nicht. Ich hörte das piepen, das standhielt, es signalisierte, dass er nicht mehr da ist, das er fort ist, fort von mir, fort von uns allen. Die Ärzte eilten herbei, aber ich hörte sie nicht, ich wollte sie auch nicht hören, ich wollte das er da ist, das er für mich da ist, und ich mit ihm reden kann, und ja, in seine Augen schauen kann, aber wieso? Wieso kann ich es nicht? Wieso hat er mich verlassen? Wieso?

Der Arzt sprach zu mir, aber ich verstand ihn nicht, meine Ohren, sie waren Taub, er öffnete die Tür und ich ging hinaus, sollte ich hinaus? Ich denke das ist das Beste was ich in diesem Moment tun konnte, ich setzte mich, und ich wusste nicht wie mein Leben weitergehen sollte, vor genau einer Stunde, genau einer Stunde, sprach ich zu ihm, ja, ich sprach zu ihm, er schlief, er schlief fest, aber sein Herz es war am leben, er war am leben. Ich erzählte ihm, dass seine Tochter, meine Tochter, unser Kind, eine eins in Mathe geschrieben hat, es war sein größter Wunsch, sein größter Wunsch das sie einmal eine gute Note in Mathe schreibt, sie tat es, sie hat ihm sein Wunsch erfüllt, aus Liebe, und aus Fleiß.

Ich starrte zur Uhr, sie sitzt im Unterricht, sie weiß es nicht, sie weiß es nicht, dass ihr Vater schläft, dass er fort ist, er hat uns verlassen.

Ich stützte meine Hände auf meine Stirn, ich brauchte es, ich brauchte Halt, also gab ich mir den Halt selber, jetzt muss ich stark sein, ich muss stark sein. Eine Träne rollte meine Wange hinunter, eine Träne nur für ihn, es folgte eine weitere.

Ich spürte ein stechen im Herz, ein starkes stechen, und ich wollte es nicht, ich wollte nicht das, was passiert ist, er muss bei uns bleiben, er muss doch zu sehen wie sein Kind heranwächst, wie wir es gemeinsam aufwachsen lassen. Ich tastete nach meinem Bauch, unser zweites Kind, das zweite, dass nie sein eigenen Vater kennen lernen würde, nur auf Fotos oder Videos, aber es kann nie mit seinem Vater sprechen, nie.

Vor 3 Monaten, genau da, da wurde ich Schwanger, ich war überglücklich, und er auch, ich hab noch genau sein Lächeln vor meinen Augen, seine Zähne, so strahlend weiß, und diese kleinen Bartstoppeln, die beim Küssen immer etwas pieksten, aber mich störten sie nicht, nein, ich mochte es, und ich werde es nie wieder erleben, ich werde nie wieder seine Wange berühren können, ich werde nie wieder seine weißen Zähne sehen, nein, nur auf Bildern, und in meinen Erinnerungen, aber nie im wahren Leben, nein nie.

Ich spürte ein tippen auf meiner Schulter, und der Arzt stand wieder vor mir, er sah enttäuscht aus, seine Lippen bewegten sich, aber ich verstand nicht genau was er zu mir sagte.

„Wir konnten nichts tun“ nur das verstand ich, aber ich wusste genau, ich wusste genau das er es nicht mehr geschafft hat, dass er fort ist, ich spürte es, nun sieht er mich, aber ich sehe ihn nicht, er kann neben mir stehen, vielleicht schaut er mich gerade an, wie ich im Stuhl sitze, ja, er wird mich begleiten, er wird uns alle begleiten, unser Leben lang.

Mein Bruder kam herbeigelaufen, durch meinen Gesichtsausdruck und wie ich mich verhielt, wusste er sofort was los war, er wusste genau, dass er fort ist, für immer.

Er kniete sich nieder und nahm mich im Arm, ich schloss meine Augen und fühlte erneut diesen Schmerz, diesen Schmerz, der so weh tat.

Ich konnte mich gar nicht mehr richtig verabschieden, aber er weiß ganz genau, und falls er dies nicht weiß, wird er dies jetzt erfahren, denn: Ich liebe ihn, und ich werde ihn für immer in meinem Herzen tragen, er wird mir beistehen, so wie ich ihm immer beistand, ich werde ihn für immer lieben, auch wenn ich ihn nicht sehe, ich werde dies für mein restliches Leben tun, Ich liebe ihn! Nur ihn!